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Ich verzichte auf Half-Life 3 – wenn dieser fast 25 Jahre alte Shooter-Klassiker zurückkommt

Austin Powers? Ist längst im Vorruhestand. James Bond? Hat Craig abgegeben. Wieso also nicht diesen Retro-Shooter zurückholen?

Eine Bildmontage zu den Videospielen No One Lives Forever und Half-Life.
© Valve / Fox Interactive / Sierra Entertainment / Monolith Productions, @Pixel Paradise- stock.adobe.com, Adobe Photoshop [M]

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Wie die wahrscheinliche Wiedergeburt einer absoluten Shooter-Queen fühlt es sich an. Hört sich melodramatisch an, aber wer in den 90er- und Nullerjahren groß geworden ist, hat vermutlich auch No One Lives Forever von Monolith Productions gespielt. Für mich eines der prägendsten Shooter-Erlebnisse meines gesamten Lebens, weshalb ich innerlich Purzelbäume schlage, wenn die Remaster-Expert*innen von Nightdive Studios jetzt, nun ja, ein Remaster in Aussicht stellen.

Dagegen wirkt das ganze Hörensagen zu Half-Life 3 der letzten Monate und Jahre wie eine erkaltete Teestunde. Ja, sofern Valve morgen mit einer Ankündigung zum nächsten Half-Life um die Ecke käme, wäre ich der Erste, der seine Brechstange schärft und schleift. Bis dieser Sankt-Nimmerleins-Tag eintrifft, gebe ich einem Remaster von NOLF – wie dieser Ego-Shooter aus dem Jahre 2000 in der gängigen Kurzschreibweise heißt – jederzeit den Vorzug. Der Grund liegt in der Einzigartigkeit von Cate Archers erstem Videospielauftritt begraben …

Stimmungsbild bei Nightdive: No One Lives Forever kann kommen

„Ich bin da immer noch optimistisch“, wurde Larry Kuperman jüngst bei unseren englischsprachigen Kolleg*innen von Video Games Chronicle (VGC) zitiert. Kuperman ist langjähriger, führender Mitarbeiter bei Nightdive Studios, bekleidet dieser Tage die Position als Vizepräsident im Bereich Unternehmungsentwicklung. „Ich denke, dass zumindest etwas Gutes dabei herauskommen könnte […]“, sagt der Mann weiter. Und nun?

Nun, Gesprächsgegenstand war: Die Schließung des Developers Monolith Productions im Februar dieses Jahres, und ob sich die Verantwortlichen bei Nightdive Studios vorstellen könnten, einen der absoluten Klassiker aus dem Portfolio des untergegangenen Entwicklungsstudios wiederzubeleben – nämlich The Operative: No One Lives Forever. Quintessenz aus dem Gespräch von VGC ist: Die Entscheidungsträger bei Nightdive blicken einem potenziellen Remaster-Projekt von NOLF zugewandt entgegen – auch, wenn die Studioschließung Monoliths noch zu frisch ist, um voreilig Versprechungen zu machen. Trotzdem sind das gute Nachrichten.

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Warum Nightdive Studios der ideale Kandidat für den Shooter-Klassiker ist

Mit vorauseilender Vorfreude sage ich: Das Remaster von NOLF wäre das Schärfste, was uns Nightdive bisher bieten konnte. Denn: Wenn die „Nachttauchgänger“ seit Bestehen eines unter Beweis gestellt haben, dann, dass das Entwicklungsstudio aus Washington halb vergessene Gaming-Perlen vergangener Tage wieder zum Glänzen bringen kann – was auch die Fachpresse wiederholt zum Jubeln brachte. Nicht nur haben die Mädels und Jungs letztes Jahr eine meiner allerersten Ego-Shooter-Erfahrungen Star Wars: Dark Forces herausgeputzt …

Auch habe ich es dem Developer zu verdanken, wenn ich jetzt – tatsächlich mit 25-jähriger Verspätung – ein Turok 3: Shadows of Oblivion auf dem PC nachholen durfte. Oder aktuell sogar wieder in den Vorgänger Turok 2: Seeds of Evil abtauche. Und überhaupt: Ich kann’s kaum erwarten herauszufinden, was diese Remastering-Weltmeister*innen nochmal mit The Thing: Remastered aus dem Ding aus einer anderen Welt herausholen konnten.

Der Trailer zu The Thing Remastered:

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Okay, aber was hat NOLF eigentlich geleistet, dass ich fast ein Vierteljahrhundert später noch immer an Cate Archer und skurrile Gegenspieler wie Dmitrij Volkov denke, oder an Baroness Felicity Dumas (siehe Bild ganz oben)?

Was NOLF im Shooter-Genre einzigartig gemacht hat

Ego-Shooter spielen in drögen Forschungsanlagen (Half-Life), den windigsten Winkeln der Hölle (Doom), oder gleich einer Comic-Version des finstersten Kapitels deutscher Geschichte (Wolfenstein)? „Das muss doch nicht sein!“, schien plötzlich No One Lives Forever im Jahr 2000 vergnügt zu flöten – war irgendwie flippig; irgendwie eine charmante Mixtur aus Austin Powers und James Bond; und irgendwie unverkrampft sexy.

Reizvoll schmeichelte sich auch der Score in die Gehörgänge:

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Dabei würde die Ausgangssituation von NOLF auch für einen Agententhriller allererster Kajüte herhalten: Wir befinden uns in einer fiktionalisierten Version des Jahres 1967, als die britische Geheimorganisation UNITY mit Schrecken feststellen muss: Die Hälfte ihrer Elite-Agenten wurde von einem russischen Attentäter der Terrororganisation H.A.R.M. niedergemäht. Cate Archer darf nun stellvertretend für uns als Spieler*in als erste weiblich gelesene Agentin in der Geschichte von UNITY losmachen, um H.A.R.M. das Handwerk zu legen.

Denn die wollen schließlich, in bester „Pinky und der Brain“-Manier, auch noch die Weltherrschaft an sich reißen. Soweit zur Blofeld-tauglichen Prämisse. Was mir auch heute noch abseits solider Shooter-Kost zusagt, oder dem Einsatz ulkiger Gadgets (Kann’s was besser geben als Lippenstift-Granaten, Haarspangen-Dietrich und Roboterpudel? Die Antwort: Nein!), sind es vor allem die pointierten Dialoge. Die führt Protagonistin Cate Archer inmitten der Swinging Sixties. Ein Beispiel gefällig?

Alltagssexismus in den Swinging Sixties

Gerne doch: Archer darf wiederholt wortgewandt unbeholfene Anmachsprüche abwehren. „Sag mal, kannst du mir eine Münze leihen? Ich möchte meine Mutter anrufen und ihr sagen, dass ich gerade das Mädchen meiner Träume getroffen habe“, sagt beispielsweise ein Repräsentant der Männerwelt. Woraufhin die Agentin erwidert: „Ich habe mein letztes Geldstück für eine lohnende Wohltätigkeitsorganisation hergegeben“ – wobei Archer gut hörbar auf „lohnend“ betont, damit den Marktwert des Sprücheklopfers infrage stellt.

Am Rande bemerkt: Auch Teil zwei von NOLF ist eure Lebenszeit wert.

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Zudem wird Archer, da bildet NOLF trotz seines Doktor Evil-artigen Szenarios leider ein Teilstück Realität ab, von ihren männlichen Kollegen regelmäßig unterschätzt – obwohl sie wieder und wieder ihre Kompetenzen unter Beweis stellt. Abseits davon geht’s in diesem Gameplay-technisch teils mittelprächtig gealterten Stealth-Shooter 007-typisch rund um den Globus.

Marokko, Ost-Berlin, der Hamburger Beatnik-Club „Die einsame Valkyrie“, eine Raketenabschussbasis in den Tropen, und, und, und … es geht auch los zum freien Fall aus einem explodierendem Flugzeug, oder – ja, richtig gelesen – einer Weltraumstation. Also, ab wann dürfen wir endlich wieder H.A.R.M. sprengen?

Cater Archer – Spionin in geheimer Remaster-Mission

Die aktuelle Stellungnahme von Nightdive wirkt zwar einerseits zuversichtlich. Andererseits sind die Remaster-Champions nicht erst seit gestern darum bemüht, an die Rechte für eine Neuauflage heranzukommen. Um den wilden Wirrwarr in der gebotenen Kürze zu tangieren: „Die Rechte sind in alle Windrichtungen verstreut“, ließ sich Nightdive-Geschäftsführer Stephen Kick noch vor fast einem halben Jahrzehnt zum Retro-Shooter zitieren.

Ein unvorteilhafter Umstand für alle NOLF-Fans, denn bei aller Liebe für Gordon Freeman, Alyx Vance und ihrem Widerstandskampf gegen die außerirdischen Combine: Jetzt nach all den Jahren, hätte ich Böcke, wieder mit Cate Archer „Mächtig Shagadelic, Baby!“-mäßig  – um die denkende Sexbombe Austin Powers zu zitieren – mit Kaugummibomben das internationale Böse zu bekämpfen. Ich halte für Nightdive (und uns allen) ganz fest den Union Jack umklammert, dass bald einer der besten Shooter aller Zeiten als Remastered wieder swingen kann.

Quellen: Video Games Chronicle, YouTube / @Scruffy201, @nolfvideos, @Nightdivestudios

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